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„Verwahrt – Vergessen – Verstorben“

„Verwahrt – Vergessen – Verstorben“

„Verwahrt – Vergessen – Verstorben“ – unter dieser Überschrift stand ein Vortrag von Ingo Harms, Historiker aus Oldenburg, den er im Forum der Graf-Anton-Günther Schule hielt. Vor Schülerinnen und Schülern der zehnten und elften Klassen stellte er einen besonders perfiden Aspekt aus der Zeit des Nationalsozialismus in den Fokus, die Zwangssterilisationen und Tötungen in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen.

1858 nahm die „Irrenheilanstalt zu Wehnen“ ihren Betrieb auf – psychisch kranke Menschen sollten dort Hilfe erhalten. Viele von ihnen schafften es aber nicht mehr lebend aus der Anstalt: Mehr als 1.500 Patienten sollen während des Nationalsozialismus‘ in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen ermordet worden sein. Gestorben an Unterernährung und Entkräftung wurden sie zu Opfern der NS-Euthanasie.

Die Sterberate in der Klinik sei beträchtlich angestiegen – von zehn Prozent im Jahre 1939 auf 31 Prozent 1945. „Aller Wahrscheinlichkeit nach ging die in ihr enthaltene Übersterblichkeit auf drastische Einsparungen der Pflegekosten, insbesondere bei der Ernährung, zurück“, so Harms. „Je weniger es zu essen gab, desto höher lag die Sterblichkeit.“

Die anschließende angeregte Diskussion behandelte ganz unterschiedliche Themen, von der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden über die Frage nach der informationellen Offenheit der Einrichtungen bis hin zu der Problematik, dass ganz viele Täter und Täterinnen auch in der frühen Bundesrepublik straffrei geblieben sind.

-Text und Bild: Rüdiger Pötzsch

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