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Philosophie

Philosophie

Seit ca. 20 Jahren wird an der Graf-Anton-Günther-Schule in der Sekundarstufe II das Fach Philosophie angeboten und es besteht sogar die Möglichkeit, darin einen Abitur-Prüfungskurs (P4 oder P5) zu belegen. Da aus dem Namen „Philosophie“ noch nicht so recht hervorgeht, worum es sich dabei genau handelt, soll zur Klärung zunächst einmal kurz umrissen werden, was „Philosophie“ eigentlich ist.

Was ist eigentlich Philosophie?

Im alten Griechenland wurde zunächst praktisch jeder, der sich intensiv mit Forschungsarbeiten befasste, „Philosoph“ (das bedeutet auf deutsch „Liebhaber der Weisheit“) genannt. Im Laufe der Geschichte wuchs das Wissen aber so stark an, und es entwickelten sich so verschiedene Forschungsmethoden, dass sich immer mehr Bereiche zu eigenen Wissenschaften (z.B. Physik, Psychologie etc.) abspalteten. Dieser Prozess ist auch heute noch nicht abgeschlossen, und es fragt sich, was für die Philosophie eigentlich noch übrig bleibt.

Übrig bleibt z.B. Folgendes: Jeder Forscher, der über den strengen Bereich der Methoden seiner Fachwissenschaft hinausdenkt und -fragt, betreibt Philosophie. Ein Physiker wird z.B. zum Philosophen, wenn er über den Sinn und Nutzen oder über die Gefahr seiner Erkenntnisse nachdenkt. Auch wenn er sich darüber äußert, wie die Forschung überhaupt ablaufen soll und was dann als Erkenntnis gelten darf, philosophiert er. Wenn die Durchdringung eines Problems über die Grenzen einer einzelnen Wissenschaft hinausgeht und sich deshalb Forscher verschiedener Wissensbereiche gegenseitig beraten, gelten auch diese Gespräche als philosophisch. Dies ist heute z.B. beim Problem der menschlichen Aggression der Fall.
Philosophie gibt es natürlich auch außerhalb der Wissenschaften: Wer z.B. über den Sinn des Lebens nachdenkt und dabei Wissen aus verschiedenen Bereichen heranzieht, betreibt Philosophie. Er muss sich nur, im Gegensatz etwa zum Künstler oder Schriftsteller, streng an die Möglichkeiten und Grenzen seiner Vernunft, halten…die Frage, was eigentlich die Möglichkeit und Grenzen der Vernunft sind, ist ebenfalls ein Teilbereich der Philosophie.

Auch wenn jemand anfängt, vernunftbetont über Moral nachzudenken, befindet er sich auf „philosophischem Boden“: Er betreibt „Ethik“, eines der wenigen Themen, die der Philosophie noch exklusiv übrig geblieben sind.

Wie sieht Philosophie als Schulfach aus?

Es gibt traditionell zwei allgemeine Lernziele: a) Philosophieren lernen (das heißt kreatives und zugleich streng folgerichtiges Denken über Probleme einüben) und b) Philosophie lernen (also zur Kenntnis nehmen, was Menschen, die als Philosophen gelten, über diese Probleme gedacht haben). Konkret kann dies dann z.B. bedeuten:
– Alltagsprobleme in den Blick zu nehmen und sie auf ihre Voraussetzungen hin zu überprüfen;
– Denkvoraussetzungen verschiedener Wissenschaften zu thematisieren;
– moralischen Problemen auf den Grund zu gehen;
– andere Grundfragen menschlicher Existenz  zu reflektieren;
– Gedankenexperimente zu machen;
– Äußerungen von Philosophen als Gesprächspartner heranzuziehen.

Woher kommen die Unterrichtsziele?

Hinter den beiden allgemeinen Lernzielen des Unterrichts stecken, so klar ihre Zusammengehörigkeit auch scheinen mag, zwei verschiedene Konzepte des Schulfaches Philosophie, deren Konkurrenz bis tief in die Kulturgeschichte reicht. Das erste Konzept (Philosophieren lernen) geht auf Immanuel Kant (1724 -1804) zurück. Wichtig schien ihm, ganz im Einklang mit seiner Definition der Aufklärung als dem Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit, dass der Schüler (die weibliche Ergänzungsformel erübrigt sich hier aus historischen Gründen) lernen solle, selbst vernunftorientiert zu denken, und zwar ohne Rückgriff auf Autoritäten und Dogmen.

Die zweite Konzeption (Philosophie lernen) ist eng verbunden mit dem Namen Hegel (1770-1831). Ihm war es wichtig, dass die Schüler einen möglichst umfassenden Kanon an Wissen über Philosophiegeschichte verinnerlichen. Dies entsprach seiner Grundhaltung, Erziehung sei ein Geschäft, das den „Einzelmenschen in autoritativer Prägung in den Gang des Weltgeschehens“ einbeziehen will. Und dazu gehörte eben, dass man wusste, was Platon, Kant etc. dachten, egal, ob man persönlich etwas damit anfangen konnte oder nicht.

Hegel siegte zunächst. Manche(r) wird dies noch aus eigener Erfahrung kennen, falls er bzw. sie früher mit Schulbüchern konfrontiert wurde, die z.B. Ehrfurcht fordernd „Lehrbuch der Philosophie“ oder ähnlich hießen und sich wenig Sorgen um Gegenwartsbezüge machten.

Philosophie-Unterricht heute

Wenn der Philosophie-Unterricht heute wieder mehr kantisch geprägt ist, dann hat das natürlich einerseits mit den emanzipatorischen Lernzielen zu tun, die seit Ende der 60’er Jahre die Schulen in allen Bereichen verändert haben. Philosophie wurde bezüglich ihrer Schul-Tauglichkeit stärker daran gemessen, ob sie Antwort auf Gegenwartsfragen oder existentielle Probleme der Schülerinnen und Schüler hatte, was ein starrer Kanon altehrwürdiger Texte nicht mehr leisten konnte. Andererseits liegt die Änderung aber auch an der Philosophie selbst. Sie versteht sich immer weniger als ein Bereich zeitloser Konzepte über die Welt insgesamt. Ein feststehender Fundus tradierenswerten Wissens und wertvoller „Namen“ lässt sich aus dem Blickwinkel der Philosophie selbst immer weniger rechtfertigen.

Dass in diesem Prozess die „großen Philosophen“ im Unterricht allerdings nicht ganz verstummen, liegt neben ihrer zum Teil erstaunlichen Aktualität auch an den Interessen der Schülerinnen und Schüler selbst. Sie bringen in den letzten Jahren verstärkt ein Bedürfnis nach einem feststehenden Paket lernbaren Wissens ein. Es würde hier zu weit führen, die Gründe dieser Tendenz im einzelnen zu analysieren. Erfreulich ist daran in jedem Fall, dass sie anscheinend nicht die früher befürchtete Null-Bock-Mentalität haben. Sorgen macht hingegen der Verdacht, hier finde in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen ein ängstlicher Rückzug auf vermeintlich sicheres Wissen und krisenfeste Kulturgüter statt — ein Thema übrigens, das im Philosophie-Unterricht gemeinsam mit dem Dialog-Partner Sokrates seinen Platz haben kann, dessen Philosophieren angesichts genau einer solchen Krise startete.

Kursthemen

In den letzten Jahren wurden an der Graf-Anton-Günther-Schule unter anderem z.B. folgende Kurse angeboten:

Erkenntnistheorie: Was können Menschen erkennen, und was darf überhaupt als Wissen gelten?
Ethik: Hier geht es letztlich darum, wie Menschen sinnvoll zu Urteilen darüber kommen können, was „gut“ und „böse“ ist.

Andere Themen waren z.B. Naturphilosophie, Sprachphilosophie, Kulturphilosophie, Rhetorik oder auch das philosophische Nachdenken über Politik.

Voraussetzungen für die Teilnahme

Spezielle Voraussetzungen für die Teilnahme an den Kursen gibt es nicht. Aus der Beschreibung der Philosophie oben ergibt sich allerdings, dass ein gutes Allgemeinwissen und Freude am Debattieren wünschenswert sind.

Wie in anderen Fächern auch, wird pro Halbjahr bzw. Kurs eine Klausur geschrieben, die zu 1/3 in die Benotung eigeht. Die „sonstigen Leistungen“ fallen also mit 2/3 schwerer ins Gewicht. Wer weitere Fragen zum Fach Philosophie hat, kann sich an Frau H. Schünemann, Herrn Schwarzer,  Herrn Wehrmann oder Herrn Witzmann wenden.

 

-verantwortlich für die Inhalte dieser Seite: Fachobmann/Fachobfrau Philosophie Harald Schwarzer

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