Vortrag Dr Gisela Borchers

Geschichtskurs beschäftigt sich mit Zwangsmigrationen im Umfeld des Zweiten Weltkriegs

In einem historischen Fachvortrag näherte sich der Kurs GE301 dem Thema „Zwangsmigrationen im Umfeld des Zweiten Weltkriegs“ am Beispiel des Kreis Berent, Provinz Westpreußen.

Formen von Zwangsmigration (Flucht, Vertreibung, erzwungene Auswanderung) erleiden in unserer Zeit unzählige Menschen weltweit; vermutlich mehr als 60 Millionen – Frauen und Männer, Junge und Alte – befinden sich bereits seit mehreren Jahren auf der Flucht oder wurden jüngst aus ihrer Heimat vertrieben [Quelle: Amnesty International Report 2015/2016]. Doch ist das Phänomen massenhafter Migrationsbewegungen keineswegs neu oder nur in Regionen des Nahen Ostens oder auf dem afrikanischen Kontinent zu verorten. Das 20. Jahrhundert insgesamt kann als „Jahrhundert von Flucht und Vertreibung“ beschrieben werden.

Dazu gehörten auch die ca. 12 bis 14 Millionen Deutschen, welche vorwiegend 1944/45 aus den früheren Ostgebieten des Deutschen Reiches und angrenzenden Gebieten Ostmittel-, Ost- und Südosteuropas zu Fuß, mit Pferd und Wagen oder auf gefährlichen Rettungsrouten über die Ostsee gen Westen ziehen mussten.

Dass große Teile dort teils über Jahrhunderte ansässiger deutschsprachiger Bevölkerungsgruppen zum Ende des Zweiten Weltkriegs und danach ihre Heimat verloren, war direkte Folge der NS-Diktatur (1933-1945). Deutsche Gewaltherrschaft und Kriegsverbrechen vergalten die alliierten Kriegsgegner Hitler-Deutschlands
und späteren Siegermächte u.a. in zunächst wilden Vertreibungen und – seit Juli/August 1945 völkerrechtlich
verbindlich geregelt – mit der sogenannten Westverschiebung Polens, wie diese auf der Potsdamer Konferenz zwischen USA, Großbritannien und der Sowjetunion vereinbart wurde.

In einer detaillierten Einzel-Studie untersuchte die Historikerin Dr. Gisela Borchers, zugleich Vorsitzende
des Bund der Vertrieben (BdV) Oldenburg, etliche überkommene Zeitzeugen-Berichte von Fluchterlebnissen aus dem westpreußischen Kreis Berent (im ehemaligen Regierungsbezirk Danzig, heute die polnische Woiwodschaft Kościerzyna), der Heimat ihrer eigenen Vorfahren.

Mit einem ausführlichen Vortrag vor Schülerinnen und Schülern des 10. und 11. Jahrgangs stellte Frau Dr. Borchers teils äußerst minutiös und mit einer Vielzahl von Zitaten bereichert ihre Ergebnisse zur Frage „Flucht oder Bleiben? Eine Alternative am Ende des Krieges?“ vor.

Für viele Zuhörende ungewohnt akribisch und damit auch gewiss nicht unanstrengend wurde durch den Vortrag ein weiter Themenfächer zur Fragestellung eröffnet und vertieft. Der einladende Geschichtskurs auf erhöhtem Niveau ge301 (Thorsten Spahr) und insbesonders der initiierende Schüler Marc Heinemann (Jg. 11) verabschiedete sich abschließend mit großem Dank an die Vortragende und hofft auf weitere Gelegenheiten, außerschulische Gäste auch zu anderen historischen Fragestellungen und Themen begrüßen zu dürfen.